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Vier, fünf oder mehr? So viele Saiten hat ein Kontrabass

Wie viele Saiten hat ein Kontrabass wirklich? Standard sind vier (E–A–D–G), doch Orchester nutzen oft 5-Saiter oder C-Extensions. Alles zu Stimmung, Saitenmaterial und Varianten.

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Wie viel Saiten hat ein Kontrabass? Die kurze Antwort: vier — in der überwältigenden Mehrheit aller Instrumente, die heute in Orchestern, Jazz-Clubs und Probenräumen im Einsatz sind. Die etwas längere Antwort lautet: manchmal fünf, gelegentlich ergänzt durch eine mechanische Erweiterung am Sattel, und in Ausnahmefällen noch mehr. Welche Version ein Musiker wählt, hängt von Repertoire, Stilistik und schlichter physischer Notwendigkeit ab — und die Unterschiede sind größer, als eine bloße Zahl vermuten lässt.

Die Standardbesaitung: Warum der Kontrabass meist 4 Saiten hat

Der vierSaitige Kontrabass ist das Instrument, das Generationen von Orchestermusikern, Jazzern und Rockabilly-Bassisten gleichermaßen kennen. Seine Saiten sind von tief nach hoch auf E1 – A1 – D2 – G2 gestimmt — eine Quartenstimmung, die sich von der Quintenstimmung der übrigen Streichinstrumente (Violine, Viola, Cello) fundamental unterscheidet.

Der Grund für diese Wahl liegt in der schieren Größe des Instruments. Die klingende Saitenlänge — die sogenannte Mensur — liegt je nach Modell zwischen 100 und 107 Zentimetern. Bei einer Quintenstimmung wären die Griffabstände zwischen den Tönen für eine menschliche Hand schlicht nicht mehr handhabbar. Die Quarte als Intervall zwischen benachbarten Saiten komprimiert den Greifraum so weit, dass Lagen- und Positionswechsel überhaupt erst möglich werden.

Historisch war die Anzahl der Saiten alles andere als standardisiert. Im 16. und 17. Jahrhundert existierten Kontrabässe mit drei, vier und fünf Saiten parallel nebeneinander. Die Dreivier-Saitigkeit setzte sich im 18. Jahrhundert zunehmend durch, weil sie das Instrument handlicher machte und die Produktion von qualitativ hochwertigen Darmsaiten in großer Zahl vereinfachte. Mozart, Haydn und Beethoven schrieben ihre Orchesterstimmen für das viersaitige Instrument — und diese Repertoire-Realität zementierte die Norm.

Die tiefsте Saite E1 klingt bei 41,2 Hz, also knapp über dem untersten Ton eines 88-Tasten-Klaviers (A0 = 27,5 Hz). Für die meisten sinfonischen Werke des 18. und 19. Jahrhunderts reicht diese Tiefe vollkommen aus. Brahms, Schumann, Tschaikowski — das orchestrale Repertoire bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ist für E als Untergrenze konzipiert.

Der 5-Saiter Kontrabass: Mehr Tiefe für das Orchester

Wer heute in einem deutschen oder österreichischen Berufsorchester sitzt, kennt die Situation: Mahler, Bruckner oder Dvorák fordern im Kontrabass Töne unterhalb des E — ein tiefes D, C oder sogar H. Der 5-Saiter-Kontrabass löst dieses Problem auf direktem Weg, indem er eine fünfte Saite in der Tiefe hinzufügt.

Je nach Schule und Region wird diese fünfte Saite auf H0 (im deutschen und österreichischen Orchesterbetrieb verbreitet) oder auf C1 (besonders im amerikanischen und britischen Kontext üblich) gestimmt. Das tiefe H liegt bei 30,9 Hz, das tiefe C bei 32,7 Hz — beide Frequenzen befinden sich an der Grenze dessen, was das menschliche Ohr noch als definierten Ton wahrnimmt, und verleihen dem Orchesterklang eine physische Präsenz, die man im Konzertsaal buchstäblich spürt.

5-Saiter im Orchester: Schätzungsweise 30–40 % aller professionellen Orchesterbasssisten in Deutschland spielen heute auf einem 5-Saiter oder nutzen eine C-Extension. In Wien und Brüssel liegt der Anteil traditionell höher.

Der Jazz-Kontrabass hingegen bleibt in der Regel beim 4-Saiter. Die Pizzicato-Technik, die im Jazz dominiert, profitiert weniger von extremen Tiefen als vom direkten, perkussiven Anschlag der Standardbass-Töne. Ein Jazz-Kontrabassist wie Ron Carter oder Ray Brown hat nie auf der fünften Saite gespielt — und hat damit klanglich nichts vermisst. Die Bandbreite E bis G deckt alle gängigen Basslinien in Bebop, Swing und moderner Jazzharmonik vollständig ab.

Technisch ist der 5-Saiter anspruchsvoller zu bauen. Der breitere Sattel, die geänderte Mensurgeometrie und die erhöhte Saitenspannung verlangen nach einem massiveren Halsansatz und einer anderen Deckenaussteifung. Hochwertige 5-Saiter kosten entsprechend mehr — gute Instrumente beginnen bei etwa 3.000 bis 5.000 Euro, professionelle Orchesterinstrumente liegen deutlich darüber.

Kontrabass vs. Cello: Saitenanzahl und Bauweise im Vergleich

Auf den ersten Blick scheinen Kontrabass und Cello enge Verwandte zu sein — beide Instrumente spielen im tiefen Register, beide werden mit dem Bogen gestrichen. Doch der Unterschied zwischen Cello und Kontrabass ist grundlegender, als die äußerliche Ähnlichkeit andeutet.

Das Cello hat ebenfalls vier Saiten, aber in Quintenstimmung: C2 – G2 – D3 – A3. Der tiefste Cellton C2 liegt bei 65,4 Hz — das ist exakt das gleiche C, das ein Kontrabass mit 5. Saite auf C1 eine Oktave tiefer anspielt. Zwischen dem tiefen E des Kontrabasses (41,2 Hz) und dem tiefen C des Cellos liegen damit eine kleine Terz und eine Oktave.

MerkmalCelloKontrabass
Saitenanzahl44 (Standard), 5 (Orchester)
StimmungC – G – D – A (Quinten)E – A – D – G (Quarten)
Mensurca. 69–70 cmca. 100–107 cm
Tiefster TonC2 (65,4 Hz)E1 (41,2 Hz) / H0 oder C1 mit 5. Saite
SpielpositionZwischen den KnienAufrecht, Schulterstand

Die Quintenstimmung des Cellos erlaubt größere Intervallsprünge in einer Position und begünstigt melodisches Spiel. Die Quartenstimmung des Kontrabasses priorisiert die Greifbarkeit über die gesamte Saitenlänge. Ein Cellist, der Kontrabass lernen will, muss deshalb nicht nur die Lagentechnik neu erarbeiten, sondern auch sein gesamtes Griffbild-Vokabular neu aufbauen.

Wer ein Instrument für die Aufnahme im Heimstudio testen oder abnehmen möchte, stößt schnell auf die Frage der richtigen Mikrofon- und Interfacetechnik — ein Thema, das der Artikel über das Audio Interface für die Aufnahme ausführlich behandelt.

Stimmung und Saitenmaterial: Von Quarten und Stahlsaiten

Die Standardstimmung E–A–D–G ist global die dominierende, aber historisch war sie nicht die einzige Option. In Wien und weiten Teilen Österreichs hielt sich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die sogenannte Wiener Stimmung (auch Wiener Skordatur): F–A–D–F♯ oder ähnliche Varianten, die eine Mischung aus Quarten und einer großen Terz nutzen. Diese Stimmung klingt in bestimmten Passagen wärmer und resonanter, ist aber für das internationale Orchesterspiel heute weitgehend aus dem Gebrauch verschwunden.

Das Saitenmaterial hat über die Jahrhunderte mindestens ebenso stark den Klang geprägt wie die Stimmung.

Darmsaiten — aus verarbeiteten Tierdärmen — waren bis ins frühe 20. Jahrhundert der Standard. Sie klingen warm, etwas indirekter und sprechen mit einem weicheren Transienten an. Viele Jazz-Bassisten bevorzugen Darmsaiten oder ummantelte Darmsaiten noch heute, weil sie den runden, trockenen Pizzicato-Ton produzieren, der in akustischen Jazz-Aufnahmen so charakteristisch klingt.

Stahlsaiten setzen sich ab den 1940er- und 1950er-Jahren im Orchesterbetrieb durch. Sie bieten höhere Zugspannung, stabilere Intonation bei Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen und eine klarere, durchsetzungsfähigere Klangcharakteristik — entscheidend in einem großen Sinfonieorchester, wo der Kontrabass gegen 80 weitere Instrumente ankämpft.

Die Wahl des Saitenmaterials verändert den Kontrabass klanglich stärker als der Wechsel zwischen zwei Instrumenten desselben Preissegments. Ein Jazzer, der von Stahl auf Darm umsteigt, spielt de facto ein anderes Instrument.

Synthetische Saiten (Nylon- oder Perlon-Kern mit Metallumwicklung) haben sich als Mittelweg etabliert. Sie kombinieren die Wärme und Ansprache von Darmsaiten mit der Stabilität von Stahl und sind heute in vielen Probeorchestern und bei Studenten beliebt. Marken wie Pirastro (Obligato, Evah Pirazzi) oder Thomastik (Spirocore, Superflexible) dominieren den Markt und bieten Saiten für nahezu jede Stilistik und jedes Budget — Einzelsaiten liegen je nach Modell zwischen 30 und 120 Euro, ein kompletter Satz zwischen 120 und 400 Euro.

Spezialformen: C-Extension und seltene Varianten

Wer die Tiefe eines 5-Saiters möchte, aber am bewährten 4-Saiter festhalten will, greift zur C-Extension — einer mechanischen Verlängerung des Halses über den Sattel hinaus. Diese Konstruktion verlängert die E-Saite um eine weitere Mensur nach oben (in Richtung Wirbelkasten) und ermöglicht so Töne bis hinunter zum tiefen C1 oder sogar H0.

Moderne C-Extensions besitzen in der Regel vier bis fünf Klappen, ähnlich einem Blechblasinstrument, mit denen der Bassist die verlängerte Saite halbtönig von E bis C heruntergreifen kann. Der Vorteil gegenüber dem 5-Saiter: Das Instrument behält seinen vertrauten 4-Saiter-Charakter, die Griffbreite am Hals bleibt gleich, und der Klang der drei oberen Saiten verändert sich nicht. Der Nachteil: Die Extension ist eine kostspielige Nachrüstung (500 bis 1.500 Euro beim Geigenbauer), und das schnelle Spiel in der Tiefe ist mit Klappen träger als mit einer freien Saite.

Kontrabässe mit sechs oder mehr Saiten existieren, sind aber ausgesprochene Raritäten. Einige zeitgenössische Komponisten und Solisten haben Instrumente mit fünf, sechs oder sieben Saiten in Auftrag gegeben, um erweiterte Techniken oder extreme Registerbreiten zu erkunden. Diese Instrumente befinden sich weit außerhalb des Standardbetriebs — im Ensemble-Alltag oder gar im Unterricht begegnet man ihnen praktisch nie.

Historisch gab es im 18. und frühen 19. Jahrhundert in manchen italienischen und deutschen Kapellen auch den Violone — einen 6-Saiter mit Bünden, der als direkter Vorläufer des modernen Kontrabasses gilt. Seine Stimmung wich erheblich von der heutigen Norm ab, und sein Klang war weicher, weniger projizierend — dem Barockbogen und den damaligen Darmsaiten entsprechend.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Wie viele Saiten hat ein Standard-Kontrabass?
Ein Standard-Kontrabass hat vier Saiten, gestimmt von tief nach hoch auf E1–A1–D2–G2. Diese Quartenstimmung ist heute weltweit die gängige Norm und deckt das klassische wie das Jazz-Repertoire nahezu vollständig ab.
Wann benutzt man einen Kontrabass mit 5 Saiten?
Der 5-Saiter kommt vor allem im Orchesterrepertoire des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zum Einsatz – etwa bei Mahler, Bruckner oder Dvorák –, wenn Noten unterhalb des tiefen E gefordert werden. Die fünfte Saite wird auf H0 oder C1 gestimmt.
Was ist der Unterschied zwischen Kontrabass und Cello bei den Saiten?
Das Cello hat vier Saiten in Quintenstimmung (C–G–D–A), der Kontrabass in Quartenstimmung (E–A–D–G). Der Kontrabass klingt eine Oktave plus eine kleine Terz tiefer als das Cello; seine Mensur ist mit 100–107 cm deutlich länger als die des Cellos mit ca. 69–70 cm.
Wie werden die Saiten beim Kontrabass gestimmt?
Die vier Standardsaiten sind in reinen Quarten gestimmt: E1–A1–D2–G2. Das entspricht exakt den vier tiefen Saiten einer E-Gitarre, jedoch eine Oktave tiefer. Beim 5-Saiter kommt darunter H0 oder C1 hinzu.
Gibt es Kontrabässe mit mehr als 5 Saiten?
Ja, aber sie sind sehr selten. Einige zeitgenössische Solisten spielen auf 6- oder 7-Saitern, die für erweiterte Kompositionstechniken gebaut wurden. Im regulären Orchester- und Jazzbetrieb begegnet man solchen Instrumenten kaum.
Was ist eine C-Extension am Kontrabass?
Eine C-Extension ist eine mechanische Verlängerung des Halses oberhalb des Sattels, die die E-Saite bis zum tiefen C1 oder H0 verlängert. Mit eingebauten Klappen kann der Bassist halbtönig in diesem Bereich spielen, ohne auf einen 5-Saiter umsteigen zu müssen.